Mittwoch, 30. September 2009

Våren, der Frühling, von Gunnar Nilsson in der Trädgårdsföreningen in Göteborg


Unmittelbar nach dem Haupteingang der Trädgårdsföreningen (des Gartenvereins) Göteborgs wird man von einer Marmorstatue begrüßt, die wie geschaffen ist um die jährliche Saison der Parkanlage einzuleiten. Das junge Mädchen in Marmor nennt sich Våren, der Frühling, und drückt in der Kunst das blühende Leben, die Freude und die ewige Jugend aus.

Gunnar Nilsson hat mit dem warmen Marmor die Stärke dieses neuen Beginns des Lebens der Natur in klassischer französischer Weise ausgedrückt, auch wenn Marmor seit der Antike für Skulpturen verwendet wird, um Leben ausdrücken: Marmor strahlt Wärme aus, was auch bei Kirchenkunst immer wieder zu sehen ist.

Die Skulptur Våren hat Gunnar Nilsson bereits 1949 hergestellt und wurde ein Jahr später von Herrn Osqvist der Trädgårdsföreningen geschenkt. Sie hat innerhalb der zahlreichen Skulpturen des Parkes einen Ehrenplatz eingenommen und bleibt nicht unbeachtet.

Gunnar Nilsson wurde 1904 in Karlskrona geboren und starb 1995 in Versailles. Er erlernte Aquarellmalerei und Modellieren an der Technischen Berufsschule der Stadt und zog im Jahre 1928 schließlich nach Paris, wo er seine künstlerische Laufbahn begann. Er war Mitglied in der schwedischen und französischen Kunstakademie. In Göteborg findet man im Botanischen Garten eine weitere Skulptur von Gunnar Nilsson, nämlich Vårens Huldra.

Copyright Text und Foto: Herbert Kårlin

Dienstag, 29. September 2009

Diskussion von Nanna Ullman am Korsvägen in Göteborg


Auf einer kleinen Grünfläche am Korsvägen und mit Blick auf das Universeum und das Världskulturmuséet stehen drei Bronzemädchen über ein Buch gebeugt und in eine rege Diskussion verstrickt. Die Skulptur, die auch den Namen Diskussion trägt steht seit 1958 an diesem Platz und wurde vom Charles Felix Lindbergs Donationsfond finanziert.

Um die, auf den ersten Blick sehr einfach gehaltene Skulptur, zu verstehen muss man einen Schritt zurück in die 50er Jahre machen, denn 1955 war eine heiße Diskussion um die damaligen Inflationsrisiken in Gang, 1955 begann die zweite schwedische Radiostation ihre Sendungen und in den fünfziger Jahren steuerten Olof Palme und Tage Erlander die Diskussion zur sozialpolitischen Umstrukturierung Schwedens. Und in diesem Zusammenhang bekommt auch die Skulptur Diskussion von Nanna Ullman, der Wahlgöteborgerin, seine wahre Bedeutung.

Nanna Ullman, die Bildhauerin ist in Kopenhagen geboren wo sie auch Kunst studierte. Später hat sie ihre Fähigkeiten in Göteborg und Rom perfektioniert. 1929 zog sie mit ihrem Mann, Sigfrid Ullman, nach Göteborg wo sie bis zu ihrem Tod im Jahre 1964 tätig war. Ihre öffentlichen Kunstwerke findet man in ganz Schweden und Dänemark sowie in den bedeutendsten Museen Skandinaviens.

Copyright Text und Foto: Herbert Kårlin

Montag, 28. September 2009

Månkäran, die Mondsichel von Eino Hanski an der Ullevi Gatan in Göteborg


Im Jahre 1999 ließen die Göteborger Energiewerke vor ihrem Verwaltungsgebäude in Göteborg, mit Blick auf die Ullevi Gatan, eine Skulptur errichten, die den Namen Månkäran, Mondsichel, trägt. Das Monument soll daher vermutlich an das Licht in den Nachtstunden erinnern und den Kreislauf des Lebens ausdrücken.

Auch wenn diese Deutung eine der Möglichen ist, so bleiben einige Fragen dazu offen, denn die Mondsichel ist auch ein bedeutendes Symbol für die arabische Welt und das Gedicht, das der Künstler am Sockel der Skulptur verewigte ist mehr romantisch gehalten als dass es an elektrisches Licht oder Wärme erinnert. Es beginnt mit den Worten ”I evigt kretslopp från din ban du lyser våra stigar du värmar hjärtat ...”

Aber unabhängig von seiner wahren Bedeutung ist die junge Frau, die sich an den beiden Spitzen der Mondsichel hält ein Kontrast zu den üblichen Aussagen über den Mann im Mond und zeigt eine eigenwillige Deutung des Mondes, was mit Sicherheit auch mit der Geschichte des Künstlers Eino Hanski verknüpft ist.

Eino Hanski, der 1945 nach Schweden kam wählte Göteborg als seine Wahlheimat, wo er auch im Jahre 2000 starb. Månkäran ist daher eines seiner letzten Kunstwerke, die in Göteborg zu finden sind. Eino Hanski war ein vielseitiger Künstler, denn er war Fotograf, Bildhauer und nicht zuletzt auch Autor mehrerer Bücher.

Copyright Text und Foto: Herbert Kårlin

Sonntag, 27. September 2009

Bruden som försvann von Lars Stocks im Botanischen Garten in Göteborg


Am Café des Botanischen Gartens in Göteborg findet man seit dem Frühjahr diesen Jahres eine Skulptur mit dem mystischen Titel Bruden som försvann, die verschwundene Braut. Wie bereits mehrere Skulpturen Göteborgs, so hatte auch diese Skulptur ein etwas tragisches Schicksal, denn 1986 wurde sie in der Trädgårdsföreningen an einem sehr guten Platz enthüllt, wo sie auch von zahlreichen Besuchern große Beachtung fand und selbst Brautpaare sich vor ihr fotografieren ließen.

Im Jubiläumsjahr 2007 sollte jedoch die Trädgårdsföreningen neu gestaltet werden und die Skulptur störte an ihrem angestammten Platz. So wurde das Kunstwerk von Lars Stocks kurzerhand in ein Lager im Slottsskogen transportiert und fast vergessen. Erst nachdem zahlreiche Göteborger immer wieder nach der Skulptur fragten entschied sich die Stadtverwaltung sich wieder um die Bruden som försvann zu kümmern. Die Trädgårdsföreningen wollte sie jedoch nicht wieder aufstellen, da eine moderne Skulptur, im Gegensatz zu den anderen modernen noch vorhandenen Skulpturen, nicht mehr zu einem Park passt, der nach einem englischen Modell vom 19. Jahrhundert zurückfinden soll. So landete nun die Skulptur an einer etwas versteckten Stelle im Botanischen Garten Göteborgs.

Was aber bedeutet die Bruden som försvann? Lars Stocks, der die Idee zu dieser Skulptur während eines Aufenthaltes in Frankreich hatte, schweigt zum Thema. Aber seine Skulptur ist dennoch eindeutig, denn die Braut lies ihr Kleid, ihre Schuhe, ihren Hut und selbst die Rosen zurück als sie verschwand. Und wer alle Details der Skulptur betrachtet findet selbst den Ring, der für ihren Finger gedacht war achtlos am Boden. Niemand weiß, warum sie die Flucht ergriff, aber sie schien im letzten Moment Angst vor der ewigen Bindung gehabt zu haben und hat die Flucht als Ausweg aus dem Dilemma gewählt.

Der Göteborger Künstler Lars Stock, der die verschwundene Braut schuf, hat ursprünglich Grafik, grafische Gestaltung und Emaillekunst in Göteborg studiert, bevor er sich an das Schweißen und Monumentalskulpturen machte. Die Werke von Lars Stock, der 1992 den Kungsbacka Kulturpris erhielt, findet man mittlerweile überall in Schweden. In Majorna befindet sich auch seine Skulptur Livets träd, der Baum des Lebens.

Copyright Text und Foto: Herbert Kårlin

Samstag, 26. September 2009

Solringen, der Sonnenring, von Claes Hake am Näckrosdammen in Göteborg


Auf der Rasenfläche vor dem Universitätsgebäude Humanisten, direkt neben dem Näckrosdammen in Göteborg, ragt ein 4,4 Meter hoher Ring zum Himmel, ein monumentales Kunstwerk aus Aluminium, Bronze und Granit. Claes Hake, der Künstler, hat dieses Gebilde Solringen, also Sonnenring genannt.

Der Solringen von Claes Hake ist in seiner Art eine Besonderheit, da Claes Hake meist mit großen Granitblöcken arbeitet, was an mehreren öffentlichen Stellen Göteborgs gesehen werden kann. Sein Ring aus Aluminium und Bronze aus dem Jahre 1993 gehört daher zu den wenigen Arbeiten bei denen der Künstler zu einem anderen Material als Granit gegriffen hat. Wie die meisten Skulpturen an schwedischen Universitäten wurde auch der Solringen vom Statens Konstråd finanziert.

Der Solringen ist jedoch kein Einzelstück, denn Claes Hake hat im gleichen Jahr eine zweite identische Skulptur geschaffen, die sich auf dem Springvandspladsen im dänischen Hjørring befindet.

Claes Hake ist in Mölndal bei Göteborg geboren und hat in Göteborg in der Valand Kunsthochschule Malerei und später auch Skulptur studiert. Aus gesundheitlichen Gründen arbeitet der Künstler heute fast ausschließlich noch mit Stein. Hake ist jedoch auch als Maler bekannt und nicht nur als Skulpteur.

Copyright Text und Foto: Herbert Kårlin

Freitag, 25. September 2009

Johan Anders Wadman von Peter Molin im Lorensbergsparken in Göteborg



Im Lorensbergspark, zwischen der Stadtbibliothek und dem Lorensbergsteatern, steht eine Büste, die kaum Beachtung findet, obwohl die abgebildete Person eine bedeutende Rolle für Göteborg spielte. Die als Skulptur verewigte Person ist nämlich niemand geringerer als Johan Anders Wadman oder J. A. Wadman, der bedeutendste Skalde Göteborgs.

Johan Anders Wadman, der am 27. September 1777 in Karlskrona geboren wurde wird oft als der Bellman Göteborgs bezeichnet. Das Werk im Lorensbergsparken in Göteborg wurde vom Göteborger Skulpteur Johan Peter Molin geschaffen und am 16. Juni 1869, rund 30 Jahre nach dem Tod von Wadman, in der Nähe des heutigen Standortes enthüllt. Die Büste kam 1946 in den Kronhusparken um letztendlich im Jahre 2000 wieder an seinen weitaus besser geeigneten Platz zurückzukehren.

J. A. Wadmann war bekannt für seine schnellen Antworten und seinen Humor, der auch heute noch in Göteborg zu Hause ist. Seine Weisen kamen oft aus dem Stegreif und waren aus dem Leben gegriffen. Er meisterte den Zynismus und versah viele seiner Weisen mit einem leicht erotischen Anstrich und vor allem einem Lokalkolorit. Die ersten Ausgaben seiner Werke wurden daher in der Regel in unverfänglicher Form und zensiert veröffentlicht.

Die Büste von J. A, Wadman wurde vom Bildhauer une Kunstlehrer Peter Molin geschaffen, der in Kopenhagen, Rom und Paris Bildhauerei studierte und anschließend von nahezu jedem bedeutenden Göteborger beschäftigt wurde. Sein bekanntestes Werk in Göteborg sind die Bältesspännare en der Kungsportsavenyn.

Copyright Text und Foto: Herbert Kårlin

Donnerstag, 24. September 2009

Sårad Amazon von Polykleitos am Kunstmuseum in Göteborg


Wie auch die anderen drei klassischen Skulpturen vor dem Kunstmuseum in Göteborg ist auch die Sårad Amazon nur die Kopie einer Statue, die Polykleitos zugeschrieben wird. Die Bronzeskulpur wurde nicht dem griechischen Original nachgegossen, da keine der Arbeiten von Polykleitos als Original erhalten blieb, sondern später geschaffenen römischen Skulpturen als Vorbild galten. Die Statue in Göteborg wiederum wurde nach einem Modell in Berlin rekonstruiert.

Die Sårad Amazon oder die verletzte Amazone wurde 1931 vor dem Kunstmuseum enthüllt, zusammen mit drei anderen, die sie auf gleicher Anhöhe begleiten. Die griechische Mythologie beschrieb an mehreren Stellen den Staat der Amazonen, einer matriachalischen Gesellschft, der sich vermutlich am Ostufer des Schwarzen Meeres befand. Das Frauenvolk der Amazonen war wegen seiner Geschicklichkeit beim Bogenschießen bei den Feinden gefürchtet und verbreitete Angst und Schrecken.

Die Sårad Amazon vor dem Kunstmuseum wird, wegen ihrer Verletzung unter der rechten Brust ohne ihr Pferd und vor allem ohne ihren Bogen abgebildet, was relativ selten geschah. Sie trägt auch nicht die sonst bei Amazonen übliche Kleidung, sondern ein männliches Gewand.

Polykeitos oder Poliyklet, wie er im Deutschen oft genannt wird, lebte von 460 bis 405 vor Christus und gilt als einer der bedeutendsten Bronzebildhauer seiner Zeit. Seine Statuen scheinen immer irgendwie in Bewegung zu sein, im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern seiner Zeit. Polykleitos versuchte seinen Skulpturen dadurch Leben zu geben.

Copyright Text und Foto: Herbert Kårlin